Im Interview mit Isabelle von Niederhäusern - Inhaberin und Geschäftsführerin von abc sprachen

23.11.2018

Zur Person:

Isabelle von Niederhäusern ist 1979 in Bern geboren und in Worb (BE) aufgewachsen. Sie lebt seit 10 Jahren in der Region Zürich, seit 5 Jahren in der Flughafenregion.

Sie hat eine kaufmännische Lehre absolviert und in den vergangen 20 Jahren in verschiedenen Branchen gearbeitet. Verwaltung, Hotellerie, Tourismus, Reisebranche und im Hochschulumfeld. Berufsbegleitend hat sie sich in Tourismus, Management, Prozessoptimierung und Didaktik weitergebildet und verschiedene Sprachaufenthalte gemacht und Sprachzertifikate für die Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch erworben.

Aktuell lernt sie Italienisch (bei abc sprachen) und Rätoromanisch (in Laax). Als Ausgleich zur Arbeit macht sie wenn möglich täglich Sport, sei es im Fitnesscenter, auf dem Vitaparcours oder in den Bergen. Seit Sommer 2018 spielt sie auch Golf. Ihr Wunsch ist es, das Klavierspielen wieder aufnehmen zu können und mehr Zeit zum lesen zu haben.

Was hat Sie dazu bewogen, eine eigene Sprachschule zu gründen?

"Ich habe die vergangenen 20 Jahre im Büro verschiedene Tätigkeiten ausgeübt und als ich wieder an dem Punkt war, eine berufliche Veränderung vorzunehmen, hatte ich keine Motivation, einen neuen Bürojob zu suchen. Ich fragte mich, welche anderen Interessen und Fähigkeiten ich noch habe und bin auf das Thema Sprachen gekommen, weil ich mich schon immer auch in den Sprachen weitergebildet habe. Ich suchte nach Ausbildungsmöglichkeiten zur Sprachlehrerin und machte die Ausbildung berufsbegleitend. Danach war für mich klar, mich selbständig zu machen. Mein Anspruch an einen Sprachkurs wurde bisher noch von keiner Sprachschule erfüllt, somit hatte ich klare Vorstellungen, wie die Sprachkurse aufgebaut sein sollten. Kleine Gruppen von max. 6 Personen, muttersprachige und ausgebildete Lehrkräfte, individuell, bedürfnisorientiert und fachspezifisch."

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus?

"Aktuell sind meine Arbeitstage noch eine Kombination aus Unterrichten, administrativen Tätigkeiten, Unternehmensentwicklung, Kursevaluation und Weiterentwicklung, Kursorganisation, telc Prüfungen organisieren, netzwerken, Marketingstrategien überlegen und in die Wege leiten und vieles mehr. Bei einem Start-Up liegen die verschiedenen Aufgaben bei einer Person, somit besteht meine Arbeitswoche aus 5 Tagen à ca. 14 Stunden und samstags und sonntags aus ca. 6 Stunden. Jeder Tag ist anders."

Welche Herausforderungen sind Ihnen auf Ihrem Weg begegnet und wie gehen Sie damit um?

"Die Selbständigkeit hat mich als Person sehr verändert und ich habe mich weiterentwickelt. Das ist einerseits positiv, hat aber auch seine negativen Seiten. Meine langjährige Beziehung ist in die Brüche gegangen und die Beziehung zu einigen Freunden hat sich verlaufen oder wir sind nicht mehr auf der selben Wellenlänge. Einige Freundschaften bestehen nach wie vor und sie verstehen, dass ich in der Anfangsphase einfach wenig Zeit habe und die Prioritäten anders setzen muss. Über ihr Verständnis bin ich froh, aber es macht mich auch nachdenklich. Ein Grossteil meines Umfeldes hat sich verändert, ich habe auch viele neue Bekanntschaften gemacht und daraus sind Freundschaften entstanden. Ich erfahre sehr viel Unterstützung aus den neuen Freundschaften, weil die meisten auch Unternehmerinnen und Unternehmer sind und meine Sorgen nachvollziehen können und mir so wertvolle Tips und Anregungen geben können.

Bis anhin hatte ich nie Zweifel, ob die Selbständigkeit die richtige Entscheidung war. Im Moment allerdings zweifle ich an mir, ob ich das überhaupt leisten kann, was es braucht, um eine erfolgreiche Unternehmerin zu sein und ob es das wert ist, was ich verloren habe und wohl auch noch verlieren werde."

Was macht Ihnen an Ihrem Beruf besonders Spass?

"Am Beruf als Sprachlehrerin gefällt mir die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Menschen, sich mit deren Kulturen auseinanderzusetzen, ihre Motivation zu fördern, Deutsch zu lernen. Für mich hat diese Tätigkeit eine Sinnhaftigkeit, weil ich die Fortschritte lese, höre und sehe. Jeder Unterricht ist anders, individuell, das gefällt mir.
An der Tätigkeit als Unternehmerin gefällt mir die Entscheidungsfreiheit. Ich finde es schön, ein Team aufzubauen und die Kompetenzen des Einzelnen zu fördern und einzusetzen. Ich kann mit ihnen zusammen die Schule und das Angebot weiterentwickeln. Ich bin an vielen Netzwerkveranstaltungen und treffe jedes Mal tolle Leute. Der Austausch mit ihnen ist für mich sehr wertvoll."

Was war einer Ihrer prägendsten Momente im Leben?

"Als meine Mutter 2009 an Krebs starb, hat mich das sehr mitgenommen. Es hat mir sehr deutlich gezeigt, wie endlich das Leben ist. Deshalb wollte ich beruflich auch nie Karriere machen, sondern hatte Teilzeitjobs, um das Leben jetzt geniessen zu können und nicht nach dem Motto, "wenn ich Zeit habe, mache ich dann das und das". Als Unternehmerin bin ich aber jetzt genau an dem Punkt, wo alles warten muss, weil das Geschäft Vorrang hat. Ich muss mir für 2019 überlegen, wie es für mich weitergeht."

Wofür sind Sie heute besonders dankbar und warum?

"Ich bin dankbar, dass ich gesund bin und in einem Land aufgewachsen bin, das einem viele Möglichkeiten bietet. Jeder ist seines Glückes Schmied, das ist schon richtig, aber wenigstens stehen uns verschiedene Optionen zur Verfügung.
Ich habe auch niederschwellige Deutschkurse unterrichtet und das hat mich nachdenklich gestimmt. Bildung ist der Schlüssel zu einem selbst bestimmten Leben.
In vielen Ländern ist der Zugang zu Bildung nur beschränkt gegeben."

Welche Pläne haben Sie? Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre?

"Mein Plan ist es, die Sprachschule und das Angebot weiter auf- und auszubauen. abc sprachen soll als kompetenter Partner für individuellen, bedürfnisorientierten und nachhaltigen Sprachunterricht bekannt sein. Ich möchte mich auf die Unternehmensentwicklung fokussieren können und hierzu mit kompetenten Partnern zusammenarbeiten. Ich werde nach wie vor eine soziale Arbeitgeberin sein und möchte Arbeitsplätze schaffen. Ich wünsche mir, dass ich aus dem schwierigen Jahr 2018 gestärkt ins 2019 starte und sich dies auch positiv auf mein Umfeld und die Schule auswirkt. Aufgeben ist für mich keine Option, es gibt nur eine Richtung und die ist vorwärts."

Vielen Dank Isabelle von Niederhäusern für dies offene und sehr interessante Interview!

Matina-Meredes Hilbeck - Inhaberin - Network-Angels Schweiz


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